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Abschied von Paul Schmid

Autor:in

Helmuth Zipperlen

Datum

11. Juni 2026

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Paul-Schmid_Gründerzeit

Bild oben: 1966, Gründerzeit der Filmtage. Versammlung der Filmgilde im Restaurant «Chutz» in Solothurn.

Abschied von Paul Schmid – der Aktuar der Filmgilde erinnert sich

Solothurn anfangs der 60er-Jahre, Hochkonjunktur, Aufbruchstimmung. Das Stadttheater spielt als zweite Bühne die Werke von Friedrich Dürrenmatt, «Die Nashörner» von Ionesco und «Andorra» von Max Frisch werden Publikumserfolge. Die Kinos spielen europäische und amerikanische Produktionen, aber Filme aus Skandinavien, der DDR oder der Tschechoslowakei gelangen nicht bis Solothurn. Deshalb war es an der Zeit, eine Filmgilde zu gründen, welche bald einmal 1000 Mitglieder zählte. Der Vorstand führte ab und zu Sonderanlässe durch. Da tauchte die Frage auf: Gibt es überhaupt noch Filme in der Schweiz? Der Vorstand beschloss, sich umzusehen und ein Wochenende dem Schweizerfilm (so nannte man damals den Schweizer Film) zu widmen. Im Büro des Präsidenten, Paul Schmid, liefen die Fäden zusammen. Stephan Portmann hatte vom Medienstudium her schweizweite Kontakte, die angeschrieben werden mussten. Urs Reinhart pflegte den Umgang mit Behörden und Geldgebern. Es soll eine Bestandesaufnahme, eine Werkschau des freien Filmschaffens sein. Auftragsfilme waren nicht zugelassen. Dank verschiedener Nebenveranstaltungen (Diskussionen, Vorträge) konnte das Wochenende im «Scala» gefüllt werden. Selbstverständlich haben sämtliche Vorstandsmitglieder sich eingesetzt. Doch die drei genannten Persönlichkeiten bildeten den Kern und verstanden es, gut ein Jahr später die Filmtage in die Schweizerische Gesellschaft Solothurner Filmtage überzuführen.

Unvergessene Momente

Stephan Portmann leitete bilingue die Diskussionen, denn die Verbindung des Publikums zu den Filmschaffenden war ihm ein Anliegen. Die heutige Filmförderung durch Bund und Kantone nahm mit diesen Diskussionen im «Chutz» ihren Anfang. Urs Reinhart war omnipräsent und half mit, dass die vorgesehenen Programmpunkte eingehalten wurden. Paul Schmid kümmerte sich um die Infrastruktur und für die notwendigen Helferinnen und Helfer. Pannen passierten zwar, aber das Publikum merkte sie nicht oder übersah sie freundlicherweise. Im «Chutz» wurde der damals noch weitgehend unbekannte Peter Bichsel um ein Referat gebeten. Das sollte aufgenommen werden. Paul Schmid übernahm es, das Stativ des Mikrofons zu halten. Mit der Zeit schlief ihm der Arm fast ein. Dann stellte sich heraus, dass das Mikrofon gar nicht eingeschaltet war.

1987 übergab Stefan Portmann (1933-2003) die Leitung der Solothurner Filmtage. Nachdem 2024 Urs Reinhart verstorben war, ist im Mai 2026 mit Paul Schmid der letzte dieses Trios von uns gegangen. Aber diese drei Persönlichkeiten werden für immer als (Mit-)Begründer der Solothurner Filmtage unvergessen bleiben.

 

– Helmuth Zipperlen, damals Aktuar der Filmgilde

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