3. Solothurner Filmtage
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Die Filmtage entwickelten sich nicht nur zum Schau- fenster dieses neuen Filmschaffens, sondern auch zu einer nationalen Diskussionsplattform für kulturelle und politische Fragen. Das Lobbying für mehr staatliche und kantonale Mittel förderte den Austausch zwischen Filmschaffenden aus allen Landesteilen. Sie waren die Brutstätte eines gemeinsamen Selbstverständnisses und neuer Strategien und Strukturen. Das öffentliche Gesicht der Filmtage wurde Stephan Portmann, der im Gegensatz zu seinen Mitstreitern Kameras und Mikrofone nicht scheute. Eloquent, mit «grenzenloser Kommunikationsenergie» (Fredi Murer) kommentierte er Entwicklungen und Filme und hatte eine Mission: Die Aufgabe der Filmtage sei es,  «dem Schweizervolk klarzumachen, dass es den Film als Spiegel, Katalysator und Imagebildner unbedingt braucht».

Die Presse begleitete die Solothurner Filmtage von Anbeginn an wohlgesinnt. Martin Schaub, Filmkritiker beim Tages-Anzeiger, entwickelte sich zu einem anwaltschaftlichen Begleiter des neuen Schweizer Films. Martin Schlappner von der NZZ verhielt sich zunächst abwartend und schickte 1967 seinen Mitarbeiter Alex Bänninger dorthin. Als er 1968 selbst aus Solothurn berichtete, vermerkte er, aus kleinen, «anfänglich etwas sektiererischen Ansätzen» sei eine «nationale Manifestation des Schweizer Films» mit ein «bisschen Ideologie» geworden, der nämlich, dass ein Autorenfilm an sich einen Wert darstelle.

Die meisten in der Frühphase in Solothurn gezeigten Filme waren Werke von Autodidakten. Im besten Fall entstanden aus dem verbreiteten Anspruch, alles neu und anders zu machen, originelle filmische Experimente. Der Gymnasiast Reto Andrea Savoldelli beispielsweise verblüffte als selbst ernannter «Vertreter des schweizerischen Gastarbeiterfilms» mit Lydia, ein formradikales filmisches Tagebuch. Stephan Portmann attestierte dem Underground-Film im Fernsehbericht über die Filmtage eine «hohe optische Qualität». Bis Ende der Achtzigerjahre zeigten beispielsweise Kunstschaffende und Experimentalfilmer wie Hans Helmut Klaus Schoenherr

und Werner von Mutzenbecher regelmässig ihre Filme. Oft waren auch unausgereifte Fingerübungen zu sehen. Urs Reinhart blickte anlässlich der dritten Filmtage kritisch zurück: «Die Nachtseiten des reinen Autorenfilms? Man denke an die vielen in Wäldern herumirrenden, rennenden, verzweifelten jungen Männer, Frauen und Töchter in diesen Filmen.»

Als erster Vertreter der Filmwirtschaft trat der Bieler Kinobetreiber Vital Epelbaum auf. In seinem Referat schlug er vor, wie sich junge Filmschaffende und das Kinogewerbe annähern könnten. Er verlangte von den Filmschaffenden «gute Geschichten» und warb um Verständnis für Kinobetreiber, die ihre Unternehmen nach kommerziellen Grundsätzen führen müssten.

Thomas Schärer

​​​​​​​Wir danken der Cinémathèque suisse für die Zusammenarbeit in der Archivierung und Digitalisierung.

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