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Laudatio Prix de Soleure 2026

Autor:in

Jean-Jacques de Dardel, Danae Elon, Sarah Spale

Datum

28. Januar 2026

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Prix-de-Soleure_Nicolas-Wadimoff

«Qui vit encore» von Nicolas Wadimoff

Der «Prix de Soleure» honoriert den Humanismus, ein Weltbild, in dem die menschliche Würde im Vordergrund steht. Dieses Jahr zeichnet die Jury einen starken Film aus, der diese Würde mit folgender Frage hervorhebt: Was bedeutet es, noch am Leben zu sein, wenn der Tod so viele andere geholt hat? Wir kommen nicht umhin, uns zu fragen, wie wir mit den Erzählungen von Kriegsopfern umgehen, wie wir es schaffen, uns von den Grauen abzuwenden, indem wir diese Realität entmenschlichen, die angeblich nur anderen passiert.

Dieser heftige und anspruchsvolle Film konfrontiert uns mit Menschen, die das Unvorstellbare erlitten haben, in einer Welt, die tatenlos zuschaut. Nicht nur die Überlebenden sind Protagonist:innen in diesem Film, sondern auch wir, das Publikum. Denn es liegt in unserer individuellen und kollektiven Verantwortung, wie unangenehm sie uns auch sein mag, sich dem zu stellen, was geschehen ist.

In diesem Sinne ist es dem Film gelungen, durch seine Form und seinen Inhalt eine der schwierigsten Aufgaben zu meistern: Weitab vom Kriegsgeschehen einen Kontext schaffen, der zu einem besseren Verständnis der physischen Zerstörung und der Menschenopfer führt. Das stärkste Mittel, mit dem der Film arbeitet, ist das gänzliche Fehlen von Bildern. Dies zwingt uns, den Schmerz zu spüren, uns selbst an die Orte zu versetzen, die von den Protagonist:innen in Erinnerung gerufen werden. Er bringt uns dazu, unsere eigenen Bilder zu schaffen, die umso stärker werden. Auf diese subtile und drastische Weise entsteht eine andere, innigere Sichtweise, aus der die Menschlichkeit der Überlebenden, deren Würde und deren Verluste hervorgehen. 

Die Aussagen aus erster Hand stammen von wortgewandten Frauen, Männern und Kindern, denen nichts geblieben ist ausser Erinnerungen und die uns direkt in die Augen schauen, womit sie die Grenze überschreiten, die sie von uns trennt. Nach dem Schock der Bombardierungen bleibt der Schmerz, in dem uns der Film festhält und der uns zum Eingeständnis zwingt, dass Wegschauen keine Option ist. Denn am Leben bleiben hinterfragt diese Welt, die es dieser Tragödie ermöglicht, sich vor unseren Augen abzuspielen. 

Die Jury vergibt den «Prix de Soleure» 2026 an den Film «Qui vit encore» von Nicolas Wadimoff, produziert von Akka Films, Genf.

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