Interviews

5 Fragen an Denis Jutzeler, Kameramann

Datum

30. April 2020

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Denis Jutzeler ist Fotograf und Kameramann. Seit 1990 führt er die Kamera für Spielfilme - unter anderem von Alain Tanner («Paul s'en va», «Fleur de sang», «Jonas et Lila», «Fourbi») - und Dokumentarfilme wie «Vol spécial» von Fernand Melgar.2014 wurde er mit dem Schweizer Filmpreis (Beste Kamera) für «Left Foot Right Foot» von Germinal Roaux ausgezeichnet.

Von März bis Oktober 2020 standen für Denis Jutzeler eigentlich drei Projekte auf dem Programm: ein Dokumentarfilm zum Thema  Sozialhilfe,  eine Spielfilm-Serie für IDIP Films und eine Auftragsproduktion für RTS. Letztere Dreharbeiten wurden abgesagt, für die Realisierung des Dokumentarfilms steht noch kein neuer Drehbeginn fest und die Spielfilm-Serie ist nun voraussichtlich für anfangs September vorgesehen.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf deine Arbeit aus?

Die Corona-Krise wirkt sich bei mir in zweierlei Hinsicht aus. Durch den Verlust meiner Aufträge und die unsichere Situation für das kommende Jahr.

Und dadurch, wie sich die Zukunft der Kultur, insbesondere das Filmschaffen, entwickelt, das in der Schweiz bereits ziemlich in der Krise steckt. Die aktuelle Situation bringt Zweifel und wirft eine Menge Fragen auf: Was machen? Wie weiter? Ich habe im Moment keine Antwort darauf. Ich schaue mir mit gesenktem, über meinen Bildschirm gebeugten Kopf Filme an, die ich liebe. Ist das vielleicht ein Zeichen?

Ich bin sehr beunruhigt durch all die individuellen Schicksale und schockiert und wütend darüber, dass die Kultur und die kulturellen Akteure derart angegriffen werden. Vielleicht bietet diese Krise ja die Chance, dass wir zusammenzustehen wie nie zuvor: Jetzt, wo es zu handeln, über die Zukunft der Bedeutung des Wörter nachzudenken und sich gegen die Ausgrenzung zu wehren gilt - und wir eine Krise handhaben müssen, von der man den Ausgang und die Folgen noch nicht kennt.

Wie begegnest du den aktuellen Herausforderungen?

Während des Lockdowns vermisste ich die so wichtigen Begegnungen mit anderen Menschen. Bis die Dreharbeiten wieder starten, konzentriere ich mich im Moment fast ausschliesslich auf meine Arbeit als Fotograf.

Ich schaue mir jeden Tag einen Spiel- oder Dokumentarfilm aus meiner Filmsammlung  an, es ist wie eine Lebensnotwendigkeit. 

Ich fühle mich nicht abgeschieden, sondern ausgeschlossen: Dagegen gilt es nun mehr denn je anzukämpfen, indem wir das Wort ergreifen, in dem wir uns dagegen wehren, dass diese Krise uns marginalisiert und uns auf ein eigentliches Schweigen reduziert, das von der in Panik geratenen Wirtschaft und Politikerinnen und Politikern gesteuert wird.

Eröffnen sich in dieser Krise womöglich auch neue Chancen?

Es ist natürlich kompliziert, in so kurzer Zeit neue Arbeitsmethoden einzuführen, ohne dabei das Wichtigste ausser Acht zu lassen: Die Filme sind da, um gesehen zu werden. Es geht um ein gemeinsames Filmerlebnis.

Es ist nicht nur eine Generationenfrage. Ich gehöre der Generation an, die sämtliche technischen Entwicklungen der letzten 40 Jahre miterlebt hat - und ich bleibe dem Filmerlebnis auf der Leinwand sehr verbunden: der Präsenz der Zuschauerinnen und Zuschauer; der Idee, dass das Kino – und die darstellende Kunst allgemein – in Zukunft nicht nur noch auf einem kleinen Bildschirm präsent ist und den Zuschauer in einer Einsamkeit einschliesst, die das Tor für die Formatierung/Uniformisierung des Individuums öffnet.

Sind die Initiativen im Internet und die sozialen Medien eine Antwort auf die Situation? Ich weiss es nicht. Ich würde gerne den französischen Philosophen Jacques Derrida über die Folgen der Corona-Krise und das zukünftige Verhalten befragen. 

Was machst du als Erstes, wenn die Massnahmen gegen die Corona-Pandemie ganz aufgehoben werden?

Als Erstes werde ich meine Freunde besuchen und sie in die Arme schliessen. Und dann möchte ich natürlich auch so schnell wie möglich wieder diesen Moment erleben, wenn der Saal dunkel wird und der Film beginnt.

An welchen Film erinnert dich die aktuelle Situation?

Was mich beim Lockdown von Anfang an erstaunte, war die Stille und das auf sich selbst Zurückgeworfensein. Das erinnerte mich an das eher bedrückende Gefühl, das der Film «Das Schweigen» von Ingmar Bergman bei mir hinterlassen hatte: die Langsamkeit des Films, die beiden Schwestern und das Kind isoliert in diesem Hotel, das Warten, das fast erstarrte Leben, das Leiden, die Krankheit. Der Film ist in jeder Hinsicht ein Meisterwerk.

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