Interviews

5 Fragen an Yves Blösche, Filmverleiher Filmcoopi Zürich

Datum

30. April 2020

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Yves Blösche ist seit 2015 geschäftsführender Partner beim Filmverleih Filmcoopi Zürich, der 1972 gegründet wurde. Die Filmcoopi Zürich zählt zu den unabhängigen Schweizer Filmverleihern und hat einen Fokus auf zeitkritische und künstlerisch wertvolle Filme. Die Corona-Pandemie wirkte sich unmittelbar auf den Vertrieb der Filme aus: Der Filmverleih lebt  von den Kinos, die plötzlich alle die Tore schliessen mussten. Yves Blösche gibt das Interview inmitten der Vorbereitungen zur Wiederöffnung der Kinos am 6. Juni.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf deine Arbeit aus?

Am ersten Märzwochenende hatten wir mehrere Premieren von «Die Känguru-Chroniken» mit Dani Levy, und sie waren trotz ersten Meldungen von Covid-19-Ansteckungen in der Schweiz sehr gut besucht. Das stimmte mich hoffnungsvoll über den weiteren Verlauf. Ein paar Tage später kam der Shutdown und alle Kinos wurden geschlossen. Die Pandemie hat sich unmittelbar und direkt auf meine Arbeit ausgewirkt. Ich musste mein Pensum reduzieren, da die Betreuung meiner Kinder nicht mehr gewährleistet werden konnte. Der Filmverleih lebt vom Kino, welches plötzlich nicht mehr existierte. Wir haben Kurzarbeit angemeldet, das Tagesgeschäft wurde weitgehend eingestellt, wichtige Fixpunkte im Jahr wie zum Beispiel das Festival in Cannes wurden aus der Agenda gestrichen. 

Wie begegnest du den aktuellen Herausforderungen? 

Anfänglich hatte ich Mühe mit der ständigen Ungewissheit. Etwas wie Planungssicherheit gab es nicht. Unser wöchentliches Team-Meeting haben wir als Video-Call organisiert, um wichtige Themen zu besprechen und im Kontakt zu bleiben. Ich versuchte mich den Gegebenheiten bestmöglich anzupassen und sinnvolle Entscheidungen zu fällen. Viele Arbeiten in den letzten Wochen habe ich zum ersten Mal gemacht und dabei viel gelernt. Der unsichere Blick in die Zukunft wird noch andauern, deshalb ist es mir wichtig, meine Gelassenheit nicht zu verlieren. 

Was ist jetzt entscheidend?

Dass die Ansteckungsraten weiterhin tief bleiben und damit das Erlebnis Kino wieder in den Vordergrund rückt. Am 6. Juni gehen eine Vielzahl der Lichtspielhäuser wieder auf. 

Eröffnen sich in dieser Krise womöglich auch neue Chancen?

Ja, in der Filmcoopi Zürich sind wir mit neuen Fragestellungen konfrontiert, die ich als Chance sehe. Wir arbeiten an verschiedenen Projekten, um die Zukunft der Firma langfristig zu sichern. Der Austausch zwischen Produktion, Verleih und Kino wurde auf verschiedenen Ebenen intensiviert, was mir positiv in Erinnerung bleiben wird und auch zukunftsweisend ist. 

Was machst du als Erstes, wenn die Massnahmen gegen die Corona-Pandemie ganz aufgehoben werden?

Ich freue mich auf die sozialen Kontakte, welche nun wieder vermehrt möglich sind. Und auf das Wiedersehen mit dem ganzen Team. 

An welchen Film erinnert dich die aktuelle Situation?

Der neue Film vom Elia Suleiman, «It Must Be Heaven», kriegt durch die Ausgangssperren eine ganz neue Dimension. Der Protagonist des Films durchstreift leergefegte Metropolen wie Paris und New York und beobachtet das minimale Treiben aufmerksam. Eine politische Komödie, wie sie aktueller nicht sein könnte. Der Film ist ab dem 18. Juni in den Deutschschweizer Kinos zu sehen. 

Kommende Schweizer Filme: 

  • «Sekuritas» von Carmen Stadler (Premiere Solothurner Filmtage 2020), 23. Juli 2020
  • «Citoyen Nobel» von Stéphane Goël (Premiere Solothurner Filmtage 2020), 6. August 2020
  • «Paul Nizon: Der Nagel im Kopf» von Christoph Kühn (Premiere Solothurner Filmtage 2020), 10. September 2020

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